125 JAHRE DENKMALPFLEGE IN WESTFALEN

Mit einer Vortragsveranstaltung erinnerte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe in seinem Plenarsaal in Münster an "125 Jahre Denkmalpflege in Westfalen". 

File 2885

 

Das Plädoyer des LWL-Direktors Matthias Löb: „Denkmäler haben ihren besonderen Reiz, sie geben den Orten ein Gesicht. Sie sind kein Selbstzweck, sie erfüllen das Bedürfnis nach Identität. Und sie sind eine Investition in die Zukunft, da durch sie Lebensqualität entsteht.“

File 2888

Heute ist es die Aufgabe des LWL, das kulturelle Erbe zu bewahren. Das Leitbild für die Aufgabe der Denkmalpflege lautet: „Erkennen, Bewahren, Gestalten“. Der Beginn der Denkmalpflege in Westfalen beruht auf „preußischen Wurzeln“ und geht auf das Jahr 1892 zurück. Albert Ludorff war der erste, dem die Aufgabe eines quasi „Landeskonservators“ zufiel. Er wirkte von 1892 bis 1915, zunächst nur zuständig für „öffentliche Gebäude“, ab 1900 kamen aber auch „lokalbedeutsame Häuser“ in den Blick.Viele Denkmäler überstanden den II. Weltkrieg nicht. Nach 1945 ging es um Rekonstruktionen. Der Wirtschaftswunderzeit folgte die Forderung nach der „autogerechten Stadt“, ihr fielen letztlich mehr Denkmäler zum Opfer, als durch den Krieg zerstört worden waren.

File 2894Ein Umdenken begann in den 1970er Jahren. Bürgerschaftliches Engagement bezog sich zunehmend auf alte Stadtstrukturen und –gebäude, der „Verlust der gewohnten Umgebung“ wurde immer mehr thematisiert. Das „Europäische Denkmalschutzjahr“, 1975 begangen, zeigte Wirkung. Löb: „Denkmäler brauchen Freunde und Förderer.“ Nunmehr beinhaltete die Städtebauförderung auch Altstadtsanierungen.Im Vortrag von Dr. Holger Mertens war zu dieser Thematik des „neuen Bewusstseins für Denkmalpflege“ auf einer Folie auch der Alte Flecken Freudenberg zu sehen.

File 2897

Mit Sorge blickte Matthias Löb, zugleich Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes, auf die aktuelle Denkmalförderung in Nordrhein-Westfalen: "Das Land hat seine Denkmalzuschüsse von jährlich zwischen 12,5 und 14,2 Mio. Euro in den Jahren 2005 bis 2010 auf 1,7 Mio. Euro heruntergefahren." Problematisch, dass das Land nur noch Darlehn anstelle von Zuschüssen bewillige. „Um die Baudenkmäler muss einem Angst und Bange werden. Wir hatten 1980 in NRW eines der fortschrittlichsten Denkmalschutzgesetze. Wir waren Vorreiter. Heute drohen wir das Schlusslicht in Deutschland zu werden.“

Dr. Holger Mertens, der aktuelle Landeskonservator und Chef der „LWL Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen“ vertiefte den Rückblick auf die 125-jährige Tradition. Nach Albert Ludorff (1892-1915) wurde Johannes Körner (1921-1931) Provinzialkonservator, ihm folgten Wilhelm Rave (1931-1952), Theodor Rensing (1952-1959), Hermann Busen (1959-1972), Dietrich Ellger (1972-1987), Eberhard Grunsky (1987-2006) und Markus Harzenetter (2007-2015). Mertens ist also der neunte oberste westfälische Denkmalschützer.

„Denkmalpflege muss die Gesellschaft mitnehmen“, mahnte Löb. Sie müsse sich als Partner und Dienstleister der Kommunen verstehen, zugleich aber auch „hartnäckig und unbequem sein“, um ihre gesetzlichen Aufgaben zu erfüllen. Es gelte die gesellschaftliche Akzeptanz und finanziellen Möglichkeiten im Blick zu behalten.

 

Vorgestellt am Jubiläumsabend (4. April 2017) wurde das Forschungsprojekt „Bildwelten – Weltbilder“, bei dem unter Leitung von Dr. Dirk Strohmann romanische Wandmalerei in westfälischen Kirchen untersucht wurde. Die Leiterin des LWL-Museumsamtes, Dr. Ulrike Gilhaus, eröffnete die dazu konzipierte Ausstellung.

File 2882

 

Der LWL gab folgende Infos zum Hintergrund der finanzielle Förderung der Denkmalpflege:

1992 wurden noch umgerechnet 35,4 Mio. Euro für Bau- und Bodendenkmalpflege in NRW zur Verfügung gestellt, 2012 waren es nur noch ca. 14 Mio. Euro, wobei die Sonderförderungen für den Kölner Dom und die Wuppertaler Schwebebahn hier enthalten sind. Bereinigt wurden nur ca. 11,4 Mio. Euro bereitgestellt. Eine drastische Kürzung der Zuschuss-Förderung kam 2014, so dass nur mehr etwa 4 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Für die Baudenkmalpflege bleiben knapp 1,2 Mio. Euro, ab 2016 ca. 1,7 Mio. Euro. Gleichzeitig werden 60 Mio. Euro an Darlehen bereitgestellt.Die weitgehende Umstellung der Förderung auf Darlehen seit 2013 ist in Zeiten niedriger Zinsen grundsätzlich wenig attraktiv und wird kaum als Förderung und Anreiz für eigene Investitionen wahrgenommen. Die seit 2013 bereit gestellten Mittel für zinsgünstige Förderdarlehen der NRW-Bank werden in ganz Westfalen-Lippe für Maßnahmen an Baudenkmälern kaum in Anspruch genommen.

Löb: "Wir können heute sagen: Die Umstellung von Zuschüssen auf Darlehen hat sich nicht bewährt. Gegenwärtig lässt das Landesbauministerium prüfen, welche Auswirkungen sich aus der Umstellung ergeben haben. Ich hoffe, dass wir in diesem Prozess mit unseren guten Argumenten durchdringen."