"Als die Bilder laufen lernten.." Aber alte Filme auch erhalten!

Anlässslich des "UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes" warnen LWL-Experten: Falsche Lagerung gefährdet das filmische Gedächtnis! 

Bewegte Bilder und Tonaufnahmen haben das Gedächtnis geprägt und sind aus der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts nicht wegzudenken. Das gilt für die großen Ereignisse genauso wie für die privaten Erinnerungen, die auf Film festgehalten wurden. Um das Bewusstsein für den Erhalt dieser Schätze zu wecken, hat die UNESCO den 27. Oktober zum "Welttag des audiovisuellen Erbes" erklärt.

"Dieser Tag ist wichtig, denn der Erhaltung von Filmen und Tonaufnahmen wurde lange Zeit viel zu wenig Beachtung geschenkt, obwohl die UNESCO bereits 1980 die 'Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder' herausbrachte. Gerade wenn es um private Filmbestände geht, steht es schlecht um die Bewahrung dieser Kulturgüter", sagt Prof. Dr. Markus Köster. Er leitet beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das LWL-Medienzentrum für Westfalen. Die Zeit dränge, denn schneller Verfall des Bildmaterials durch falsche Lagerung und der Wegfall der Abspielmöglichkeit könnten innerhalb weniger Jahre zum vollständigen Verlust führen, warnt Köster.

"Das Wissen um den Umgang mit alten Filmträgern verschwindet genauso wie die alten Abspielgeräte", so Dirk Fey, Dokumentar im Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen. "Das betrifft alle analogen Träger, aber selbst die Tage von neueren digitalen Speichermedien wie der MiniDV sind gezählt."

 

Der Verfall des physischen Trägers, wie er durch das sogenannte Essigsäuresyndrom bei alten 16 mm- und 8 mm-Filmen oder durch das Verkleben und Entmagnetisieren bei VHS-Kassetten auftritt, sei Anlass zur Sorge. Besonders kritisch ist die Lage bei alten Videoformaten, für deren Kassetten oft keine Geräte mehr zur Verfügung stehen und deren Erhaltungs-zustand sich rasant verschlechtert. Aber selbst mit einer Digitalisierung ist das Problem nicht für alle Zeit behoben: Nach Einschätzung der UNESCO muss das Filmmaterial alle zehn bis 15 Jahre auf eine neue Generation von Trägern und Formaten übertragen werden, um seine Erhaltung zu garantieren.  

HintergrundDas Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen hat sich die Sicherung des audiovisuellen Erbes zur Aufgabe gesetzt. Dabei stehen nicht professionelle Filmproduktionen im Mittelpunkt des Sammlungskonzepts, sondern die Amateurfilme aus der Region Westfalen-Lippe. "Die private Lebenswirklichkeit festgehalten auf Film und Magnetband liefert uns ein beeindruckendes Zeugnis vom Leben der letzten hundert Jahre in den Dörfern und Städten Westfalens", sagt Archivleiter Dr. Ralf Springer. "Der UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes soll bewusst machen, dass audiovisuelle Dokumente gleichrangig neben anderen historischen Quellen stehen und eine kontinuierliche Pflege brachen, damit wir nicht eines Tages auf eine Zeit ohne Bilder zurückblicken."  

 

Das Bild-, Film- und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums sammelt, sichert und erschließt seit 1986 audiovisuelle Quellen aus Westfalen-Lippe. Das Archiv übernimmt Filmmaterialien aus privatem und öffentlichem Besitz, sofern sie landeskundliche, wirtschafts- oder sozialgeschichtliche Aspekte Westfalens veranschaulichen und erweitert seinen Bestand jährlich um aktuelle Filmdokumentationen aus eigener Produktion. Der Gesamtbestand umfasst inzwischen über 7000 Film- und Tonträger, er beginnt mit dem Jahr 1913 und reicht bis in die Gegenwart hinein. Die Filme lagern archivgerecht in Kühlräumen mit reduzierter Luftfeuchte, werden Zug um Zug erschlossen und der Öffentlichkeit über eine Onlinerecherche sowie in der DVD-Reihe "Westfalen in historischen Filmen" zugänglich gemacht.INFO und Kontakt: http://www.filmarchiv-westfalen.lwl.org