Heimatvereine trafen sich zur Ortsbegehung in Plittershagen

Diesmal war eines der geschichtsträchtigsten Dörfer von Freudenberg an der Reihe: Nach Plittershagen hatte die Arbeitsgemeinschaft der Heimatvereine zur Ortsbegehung eingeladen. „Das traditionsreiche Veranstaltungsformat ist quasi eine Schule des Sehens“, erläuterte Mario Topol, stellvertretender Vorsitzender der ARGE. So lasse sich bei dem Spaziergang erleben, wie sich Orte weiterentwickeln, wo der jeweilige Heimatverein Schwerpunkte setzt und wo es auch Probleme und Herausforderungen gibt.

File 3039

Als sachkundiger Betreuer stand den Freudenberger Heimatfreunden der Vorsitzende des Heimat- und Verschönerungsvereins Plittershagen - Alte Heide, Burkhard Leidig, zur Verfügung. Er begrüßte seine Gäste bei der 1898 erbauten alten Schule, die heute als Dorfgemeinschaftshaus genutzt und vom Heimatverein betreut wird. „Eine Schule ist für unser Dorf schon seit 1749 nachgewiesen“, erläuterte er und verweis darauf, dass der notwendige Neubau eines Geräteschuppens sowie die Pflasterung von Schulhof und Vorplatz als Projektideen im IKEK-Verfahren benannt worden seien. Das Schulgelände ist gewissermaßen eines der Zentren des Ehrenamtes in Plittershagen, denn der 1952 errichtete Anbau wird heute als Feuerwehrgerätehaus genutzt.

In der alten Schule selbst unterhält der Verein im Dachgeschoss eine Heimatstube als kleines Museum und im Keller erinnert eine alte Schusterwerkstatt an die Handwerkstradition im Ort.

File 3021

Der Weg führte dann zur „Gedeels Schür“, die die Evangelische Gemeinschaft erworben hat und für die Jugendarbeit des CVJM nutzt. Für eine zeitgemäße Isolierung des historischen Gebäudes wünschen sich die Plittershagener ebenfalls eine IKEK-Unterstützung.

File 3027

Einen Höhepunkt bildete der Besuch in der alten Dorfschmiede im Haus Künzel, in der Reinhard Spies das Schmieden eines Hufeisens vorführte. Spies ist der Schwiegersohn des letzten Dorfschmieds Hermann Waffenschmidt, der hier noch bis zum Ende der 60er Jahre Wagenräder beschlug. „Wir sind den Familien Künzel und Spies außerordentlich dankbar, dass sie diesen besonderen Erinnerungsort so liebevoll erhalten“, brachte Burkhard Leidig die Anerkennung zum Ausdruck.

 

Vom Ehrenmal für die Opfer der beiden Weltkriege, das seit 1930 hoch über dem Dorf steht, bietet sich ein Panoramablick über Plittershagen, der die Einbettung des Ortes in die Landschaft wie das Miteinander von Alt- und Neubauten deutlich werden lässt. Viele alte Fachwerkhäuser sind gut erhalten und gepflegt, ein 300-jähriges Haus im Oberdorf musste allerdings nach langem Leerstand abgerissen werden. Burkhard Leidig befürchtet, dass dieses Schicksal einem weiteren Gebäude droht. Besonders bedauerlich, denn dieses sei das Haus, aus dem der bekannte Uhrmacher Johann Peter Stahlschmidt stammt, der hier in Plittershagen am 18. Juli 1751 das Licht der Welt erblickte.

File 3031

 

Plittershagen verfügte einst über drei Backeser. „Wir haben als Heimatverein allerdings auf den Wiederaufbau verzichtet, da es hier noch einen richtigen Bäckerei-Handwerksbetrieb gibt“, erläuterte Leidig. In der Tat, der kleine Lebensmittelladen und die Bäckerei Kurth genießt angesichts seines Brot- und Hefekuchen-Angebotes in Freudenberg so etwas wie Kult-Status.

 

In Plittershagen leben derzeit rund 460 Einwohner, Ende der 1960er Jahre konnte das Baugebiet „Am Hofacker“ erschlossen werden, in das Neubaugebiet „Unterm Reckhahn“, das darüber liegt, sind Einheimische, aber auch eine ganze Reihe junger Familien von außerhalb gezogen.

Der Friedhof „Auf der Birke“ obliegt der Pflege durch den Heimatverein, der hier zuletzt die Kieswege erneuerte. Überhaupt sind die Grünflächen des Ortes Sache der Vereine. Hier packen Heimatverein, Freiwillige Feuerwehr und der Hobbyclub gemeinsam an, um sichtbar für ein lebenswertes und schönes Umfeld zu sorgen. „Hierfür fallen viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit an“, so Leidig. Freuen würde sich der Verein, wenn es gelingen könne, wieder mehr jüngere Mithelfer zu motivieren.

File 3033

„Der Ort zeigt, das die Einwohner ihr Dorf ‚als ihre Sache’ empfinden“, zeigte sich Mario Topol am Ende des Rundganges beeindruckt und dankte für die hochinteressante Führung.