Hohenhain: Ein geschichtsträchtiger Ort mit Zukunft

Dem Ort Hohenhain galt am vergangenen Samstag das Interesse der Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine. Zur traditionellen Ortsbegehung trafen sich hier deren Vertreter und wurden bei ihrem Rundgang auch von Bürgermeisterin Nicole Reschke begleitet.

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Der Vorsitzende des gastgebenden Hohenhainer Heimatvereins Wolfgang Bode zeigte zunächst die „Infrastruktur“ seines Vereins, zu dem eine eigene „Wursteküche“ wie auch der Backes gehören. Die Erkundung vor Ort garnierte Ortsheimatpfleger Heinz Fischbach mit vielen historischen Hinweisen.

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Eine erste geschichtliche Einordnung hatte ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann bei der Begrüßung schon vorgenommen. Das Dorf mit heute rund 450 Einwohnern zählt mit seinen Vorgänger-Höfen aus dem 11. Jahrhundert zu den ältesten Ortschaften Freudenbergs, der Name „Hohenhain“ ist seit fast 550 Jahren bekannt. Die lange Vergangenheit belegt ebenso der Fund einer steinzeitlichen Feuersteinklinge im „Hohlen Seifen“ im Jahr 2004.

 

Die Bedeutung Hohenhains lag an seiner geografischen Lage und deshalb mit gewichtiger Grenzbefestigung und dem „Dicken Schlag“ (Alte Schanze) ausgestattet wie an dem Knotenpunkt der beiden bedeutenden Fernstraßen, des Hileweges und der Brüderstrasse. „Hohenhain war einst das Tor des Siegerlandes zur Welt,“ so Fischbach. Drei große Wirtshäuser verzeichnete Hohenhain, damit Fuhrleute und Pferde eine Übernachtungsmöglichkeit fanden. Zwei dieser alten Fachwerkhäuser aus den Jahren 1770 bzw. 1795 und ein dazu gehöriger Stall, heute als Wohngebäude genutzt, bestehen noch.

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Aber auch heute ist Hohenhain „vielbefahren“ und die „zu breite Ortsdurchfahrt“, so wussten die Heimatfreunde zu berichten, bereitet Sorgen. Sie war deshalb eines der Themen der Dorfwerkstatt, bei der es um die Zukunft des Ortes geht. Angeschaut wurde das Neubaugebiet „Zur Landhecke“, die zahlreich von Fichten befreiten Landschaftsteile, die Entwicklung an der Kleintirol-Straße bis zum alten Bahnhof, das Magerwiese-Naturschutzgebiet mit seinen Wildorchideen, der Friedhof und der Bereich um die alte Schule. Der Hohenhainer Begräbnisplatz entstand 1931 und wurde damals mit neun Eichen gestaltet zur Erinnerung an die neun aus dem Dorf stammenden Soldaten, die ihr Leben im I. Weltkrieg verloren hatten.

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Bemerkenswert war, dass 1930 noch eine eigenständige Volksschule für Hohenhain genehmigt wurde. Eine Regierungskommission hatte attestiert, dass die Schülerinnen und Schüler doch einen sehr beschwerlichen Weg aus dem Höhendorf nach Freudenberg zu bewältigen hatten. Die katholische Bekenntnisschule konnte dann am 1. September 1931 eröffnet werden. Gern wird berichtet, dass das Schulgebäude nicht nur pünktlich fertig gestellt war, sondern die Baukosten um 3.700 RM unterschritten wurden. So konnte auch noch eine Schulglocke für 200 RM angeschafft werden. Übrigens: Die Schülerzahl in Hohenhain wuchs beständig und so wurde 1966 noch ein Neubau seiner Bestimmung übergeben. Allerdings nach der Schulreform von 1968 mussten auch die Hohenhainer Kinder wieder zum Unterricht nach Freudenberg. In den frei gewordenen Gebäuden wurden vorübergehend zunächst die Realschule, danach die Sonderschule für Lernbehinderte untergebracht. 1974 kaufte die Friedrich-Ebert-Stiftung das Schulgelände und nutzte die beiden Schulhäuser bis 1981 als Heimvolkshochschule. Aktuell saniert eine junge Familie die alte Schule als neues Zuhause.

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Orts-Chronist Heinz Fischbach: „Insgesamt besuchte so zweimal ein Landesherr das kleine Siegerländer Höhendorf. Am 17. Oktober 1817 nahm der Westfälische Landeshauptmann Ludwig Freiherr von Vincke bei einer Siegerland-Bereisung hier sein Frühstück ein, im Juni 1974 erreichte NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn Hohenhain per Helikopter, um die Ebert-Stiftung zu eröffnen.“

 

Bei der anschließenden Besprechung im Bürgerhaus konnte Thomas Friesenhagen die Entwicklung Hohenhains anhand der Gegenüberstellung von historischen Aufnahmen und neuen Fotos verdeutlichen. Ziel des Heimatvereins ist es, das bisher von ihm bewirtschaftete Bürgerhaus in eigene Regie zu übernehmen. Zur Sanierung des Gebäudes werde ein Aufwand von gut 240 Tausend Euro notwendig sein, erläuterte Wolfgang Bode. Dafür hoffe man auf Fördermittel, wofür zumindest ein sogenanntes Dorf-Innenentwicklungs-Konzept (DIEK) notwendig sei. Dazu gehöre ein Dorfprofil, bei dem mit Bürgerbeteiligung Stärken und Schwächen herausgearbeitet wurden. Als ein Ergebnis daraus stellte Regina Gerbershagen den neuen Seniorentreff vor, in dem sich Ältere nun regelmäßig zu gemeinsamem Austausch und Aktivitäten zusammen finden. Richtig wäre es, so die Vertreter der Heimatvereine, wenn für die Gesamtstadt Freudenberg ein Integriertes kommunales Entwicklungskonzept (IKEK) aufgestellt würde, das Projekte in den Orten eine bessere öffentliche Förderung ermögliche.

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„Zukunft muss immer wieder neu erarbeitet werden“, fasste ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann das Gespräch zusammen und dankte für den hoch informativen Nachmittag. Hohenhain sei dabei auf einem guten Weg, sich als lebenswert zu festigen. Die Heimatfreunde zeigten sich von den aktuellen Aktivitäten wie von den geschichtlichen Aufarbeitungen und dem historischen Bewusstsein für den Ort sehr beeindruckt.

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