Ortsbegehung 2015: Dirlenbach präsentierte sich vorzüglich

Zur diesjährigen traditionellen Ortsbegehung traf sich die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine in Dirlenbach. Die Vertreter der einzelnen Heimatvereine wie der Ortsheimatpfleger trafen sich, um sich vor Ort auszutauschen sowie über Fortschritte und Entwicklungen zu informieren. Erstmals galt der Besuch jetzt Dirlenbach. „Es ist eine Premiere, auch weil jetzt der „Verein zur Erhaltung des Dorfgemeinschaftshauses Dirlenbach“ Mitglied der ARGE geworden ist“, erläuterte Vorsitzender Bernd Brandemann zur Begrüßung.

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Er konnte dabei auch das Ehrenmitglied Horst Heide und den Stadtarchivar Detlef Köppen begrüßen. Ein Team aus dem Vereinsvorsitzenden und Ortsvorsteher Dirk Peiniger, Ortsheimatpfleger Roland Jung und Orts-Chronist Günter Gerhard hatten den Rundgang vorbereitet. Dirlenbach zählt heute rund 360 Einwohner.

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Die Begehung startete „Am Hüls“, wo der Verein „Aktives Dirlenbach e.V.“ den alten Backes sowie das ehemalige Feuerwehrgerätehaus zu neuem Leben erweckten. Der Backes, um 1850 erbaut, wurde ab 2002 vom Verein renoviert und 2003 mit einem Fest wieder in seiner ursprünglichen Nutzung in Betrieb genommen. „Er ist eines der ältesten Backhäuser des Siegerlandes, der in seinem Grundriss bis zum heutigen Tag unverändert geblieben ist“, stellte Roger Wagener (Aktives Dirlenbach) fest. 2008 wurde das daneben liegende Feuerwehrhaus erworben und ebenfalls aufwändig renoviert. Es dient jetzt als Verkaufsraum für die Backwaren. „Das ganze hier ist für uns ein sehr ansprechender Dorfmittelpunkt geworden“, freute sich Dirk Peiniger.

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Von hier aus führte der Weg zu einem Stollen, den Bergarbeiter 1943 angelegt hatten und der den Dirlenbachern als Bunker diente. Günter Gerhard hat die Details erforscht und konnte anschließend die bauliche Entwicklung Dirlenbachs an den ältesten Häusern und den jeweiligen Hausnamen erläutern.

Auf dem Weg zum Sportplatz wurde vom Ziegenberg herab die Bebauung und die Gliederung in ein Unter- und Oberdorf sehr deutlich. Zwischen beiden Ortsteilen sind übrigens legendäre Fußballspiele in Erinnerung, die erst in Heuslingen ausgetragen wurden. Die Waldgenossenschaft Dirlenbach stellte dann 1972 ein Grundstück zur Verfügung, das die Dorfgemeinschaft rodete und zunächst als Bolzplatz herstellte. Später erweitert, fand hier 1975 das erste Fußballspiel statt. „Damit verbunden war die Gründung des Freizeit-Clubs Dirlenbach, der so in diesen Wochen sein 40-jähriges Jubiläum feiern kann“, erzählte Roland Jung, der damals selbst zu den Aktiven zählte.

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Die Heimatfreunde begaben sich dann zur Hakenfeldstraße. „Wir nennen den Bereich noch immer ‚Klein-Köln’“, so Günter Gerhard und wusste viel zur Entstehungsgeschichte zu berichten. 1944 errichtete hier ein Kölner Bauunternehmer in staatlichem Auftrag elf Siedlungshäuser in den Maßen 4,90 mal 6,60 Meter, die als Behelfswohnungen für Kölner dienten, deren Behausungen in der Domstadt durch Bomben zerstört waren. „Und so war eine Zeitlang auch Herr Stollwerk ein ‚Dirlewar’“, schmunzelt Günter Gerhard in Erinnerung an den Schokoladen-Fabrikanten. Übrigens ist nur noch eines der Häuser in seinem ursprünglichen Kubus erhalten geblieben.

 

Nächste Station war der eigens zu diesem Anlass vom Gestrüpp freigelegte Backes oberhalb der Dirlenbacher Straße. Das Baujahr „1933“ ist in dem Putz oberhalb der Eingangstür deutlich erkennbar. „Die Oberdorfer wollten damals ihren eigenen Backes, er ist aber nur bis in die 1950er Jahre genutzt worden“, so Gerhard.

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Für die abschließende Besprechung waren die Besucher aus ganz Freudenberg dann im Dorfgemeinschaftshaus zu Gast. „Im nächsten Jahr können wir sein 60-jähriges Jubiläum feiern“, berichtete Dirk Peiniger über die jüngsten Forschungen. Denn erst vor wenigen Wochen sind sie im Stadtarchiv auf das Plakat aus dem Jahr 1956 gestoßen, mit dem zur Einweihung am 12. August und zur Glockenweihe für den 11. August 1956 eingeladen worden war.

Und in der geschichtlichen Betrachtung kam dann auch die Ersterwähnung Dirlenbachs in der Urkunde vom 24. Februar 1342 zur Sprache. Danach dürfte 2017 eine 675-Jahr-Feier für den Ort anstehen.

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Apropos Glocken: Ein der Kirche in  Holzklau gehörender Dirlenbacher Hof wurde 1601 für 1700 Gulden verkauft. Nach der Überlieferung mussten die Holzklauer davon 500 Gulden an die Kirchengemeinde Freudenberg zur Anschaffung einer neuen Glocke zahlen.

 

Bernd Brandemann dankte im Namen aller Heimatvereine für die außerordentlich interessante Führung und lobte die ausgezeichnete historische Aufarbeitung der Dorf- und Baugeschichte. 

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Ganz zum Schluss wartete Dirk Peininger noch mit einem weiteren Highlight auf: Bei einem Dirlenbacher Bürger, Hans Rein, befindet sich noch eine der wenigen Stahlschmidt-Tischuhren. Das Exemplar, 1806 von dem berühmten Freudenberger Uhrmacher hergestellt, durfte anschließend besichtigt werden.

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