Tag der "Fleckenrechte": An Geschichte erinnert und Aktive der Heimatpflege und -forschung ausgezeichnet

Die Urkunde trägt das Datum 7. November 1456. Mit ihr erneuerte Johann IV. Graf zu Nassau den Freudenbergern ihre Flecken- und Freiheitsrechte. Wer war aber dieser Regent?

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In diesem Jahr konnte bei der traditionellen Feierstunde der Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine eine Antwort gegeben werden. Denn als Festredener referierte Christian Brachthäuser vom Siegener Stadtarchiv über diesen international tätigen Landesherrn, der in der Zeit von 1410 bis 1475 lebte und im Siegerland, aber auch in Brabant und Burgund wirkte.

Brachthäuser gilt als ausgewiesener Experte für das Nassauer Grafen- und Fürstenhaus und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zu dem Thema. Johann IV. wurde nach der Soester Fehde sogar das Marschallamt des Herzogtums Westfalen übertragen. Am 20. September 1468, so sagen es alte Rechnungen, weilte der Landesherr mit samt seinem Gefolge auf der Reise nach Breda auf dem Freudenberger Schloss. "Es bestand ein frühes Band der Beziehungen zu den Niederlanden. Das sollte in guter Erinnerung behalten und geplegt werden," so der Appell Brachthäusers.

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Angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise hat das Thema "Heimat" eine besondere Bedeutung bekommen. In allen Wortbeiträgen spielte es eine Rolle, dass wenn Menschen aus ihrer angestammten Heimat durch Krieg und Verfolgung vertrieben werden, und bei uns eine neue Heimat finden wollen, dies der Thematik eine neue Dimension gibt.

Bürgermeisterin Nicole Reschke erläuterte den Ansatz der dezentralen Unterbrindung der Schutz suchenden Menschen, um die Integration so in Freudenberg zu erleichtern. ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann dankte allen, die die Flüchtlinge in Freudenberg unterstützen. Er erinnerte an die Nachkriegszeit und zitierte den damaligen Amtsbericht, wonach allein am 20. 10. 1945 mehr als 250 Personen aufgenommen werden mussten, bis September 1946 waren 1.146. "Das ist natürlich mit der aktuellen Situation nicht vergleichbar. Aber es unterstreicht, unsere Stadt verdient alle Unterstützung bei ihrem Teil dieser nationalen und europäischen humanitären Aufgabe."

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Für Paul Breuer, Vorsitzender des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein, ist es klar, dass Heimatarbeit bunter werde: "Gerade Heimatvereine können zur kulturellen und geographischen Integration beitragen."

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Im Mittelpunkt der Feierstunde standen wieder eine Reihe von Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die für ihr großartiges Engagement in der Heimatarbeit oder Heimatforschung besonders gewürdigt wurden. Mit der Ehrennadel wurden ausgezeichnet Klaus Brenner (Freudenberg/Hohenhain), das Ehepaar Karl-Heinz und Ursula Fischbach (Niederndorf), der Uhrenhistoriker Ian D. Fowler, Günter Gerhard (Dirlenbach), Kurt Klappert (Mausbach), Helga Köhler (Heisberg) und Hermann Schwarz (Büschergrund).

Mit großem Beifall wurde auch das Blechbläserensemble aus den Posaunenchören Freudenberg und Niederndorf unter Leitung von Karl-Otto Bäumer bedacht, die mit ihren genau ausgesuchten Stücken begeisterten und so zum Gelingen der Feierstunde wesentlich beitrugen.

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"Uns ist auch der Meinungsaustausch wichtig, der bei dieser Veranstaltung immer möglich ist," so einige Teilnehmer. Und die Gäste verbrachten noch eine ganze Zeit im Rathaussaal. Für die Verpflegung hatte ein Team des Heimatvereins Bühl um Gerd Hellbach bestens gesorgt.

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Bürgermeisterin Reschke dankte in ihrem Grußwort den Heimatvereinen insgesamt für ihr Wirken.

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