Tagung der Ortsheimatpfleger

Regelmäßig findet in Freudenberg auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft der Heimatvereine ein Erfahrungsaustausch zwischen den Ortsheimatpflegern statt. Fünfzehn sind es an der Zahl, die in ihren Orten ein besonderes Augenmerk auf Geschichte, Natur- und Landschaft oder Baudenkmalpflege legen. In Freudenberg und Mausbach sind die ehrenamtlichen Funktionen derzeit allerdings unbesetzt.

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Theo Lück, der sich viele Jahre in diesem Amt um Mausbach gekümmert hatte, schied zum Jahresbeginn aus und wurde nun von seinen Kollegen herzlich verabschiedet. „Er zählt zu den Urgesteinen in der Freudenberger Heimatarbeit“, würdigte ihn ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann. „Wir sagen dafür ein ganz ausdrückliches Dankeschön!“.

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Stadtarchivar Detlef Köppen informierte in der Besprechung über das sogenannte Jubiläumskataster, in dem alle gewichtigen Anlässe und Gründungsdaten aus Freudenberg eingepflegt sind. Sie geben frühzeitig Hinweise auf Ereignisse, an die dann vor Ort erinnert werden kann. Zum Beispiel zählt dazu jene Urkunde vom 24. Februar 1342, in dem die Orte Dirlenbach, Heisberg und Oberfischbach sowie dessen Kirchengemeinde erstmalig erwähnt wurden.  Oberfischbach wird dieses 675-jährige Jubiläum mit einem Festwochenende am 8. und 9. Juli 2017 begehen. Teo Schwarz informierte in dem Zusammenhang über die Arbeiten an einer Oberfischbacher Chronik, die bis dahin pünktlich fertig werden soll.

Ebenso war dem Kataster zu entnehmen, so Köppen, dass vor 400 Jahren erstmalig der Name „Hohenhain“ als Bezeichnung für diesen bewohnten Ort im ältesten Freudenberger Kirchenbuch (1612-1665) mit einem Taufeintrag vom 23. Juli 1615 zu finden ist. Der Ort als solcher bestehe natürlich schon viel länger.

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Der Schwerpunkt in der „geschichtlichen Beratung“ bildete der Freudenberger Stadtbrand vom 9. August 1666. 2016 werden es 350 Jahre her sein, als diese Katastrophe den Flecken bis auf ein Haus vernichtete. An dem Thema arbeitet ebenso der Arbeitskreis „Stadt- und Baugeschichte“ des  4FACHWERK-Museums. „Es gibt erhebliche Lücken in der schriftlichen Überlieferung“, stellte Bernd Brandemann in der Einführung dar. Gemeinsam mit dem Blog „siwiarchiv“ wurde deshalb ein Aufruf via Internet an Historiker und Archivare gerichtet, um Kenntnis von Urkunden oder Hinweisen zu erhalten.

Ein Erfolg war dabei der Tipp der Universität Siegen auf das in Frankfurt 1703 erschienene Werk „Theatri Europaei Zehender Theil“, dem zu entnehmen war, „im lustigen Flecken Freudenberg seien 71 Häuser und 25 Scheunen durch einen Donnerstrahl angezündet und dadurch samt Kirche eingeäschert worden“. „Diese konkreten Zahlen waren bis dahin so nicht bekannt“, so Bernd Brandemann.  Weitere Belege werden derzeit intensiv gesucht, denn für den so systematischen Wiederaufbau müssen es Pläne und landesherrschaftliche Bauvorschriften gegeben haben.

„Von Bedeutung sind aber auch Funde aus den Nachbargemeinden“, unterstreicht Detlef Köppen, um Mosaiksteine über die damaligen Ereignisse zu finden. So heißt es beispielsweise in der Hinterhüttschen Chronik vom 10. August 1666 „Es sind auff den Lärmenstreich viel Leuth auß vnserm Ambt herüber gemacht/ aber nichts mehr helffen können“.

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Jedenfalls solle es im kommenden Jahr eine geschichtliche Erinnerung zum Stadtbrand geben, so Bernd Brandemann: „Das Alleinstellungsmerkmal für Freudenberg ist seine Altstadt. Dass der Alte Flecken heute so aussieht, wie er aussieht, begründet sich in einer Zäsur der Stadtgeschichte, dem Stadtbrand von 1666“.