"Willkommenskultur" wird immer wichtiger

Bei ihrer Mitgliederversammlung befasste sich die Arbeitsgemeinschaft Freudenberger Heimatvereine auch mit den Folgen der Demographie. Der Begriff „demographischer Wandel“ wirkt harmloser als die Zahlen, die sich hinter dieser „Herausforderung“ verbergen. So prognostizieren die Berechnungen des Landes für Freudenberg einen Bevölkerungsrückgang auf gut 16.700 im Jahr 2030 von derzeit 18.445 (2012). Diese Zahlen nannte ARGE-Vorsitzender Bernd Brandemann zu Beginn des Gesprächs über eine „Willkommenskultur“: „Denn davon, dass wir weniger werden, werden auch die Heimatvereine betroffen sein“. Bemerkenswert sei, dass aber beispielsweise 777 Neubürger im Jahr 2012 nach Freudenberg gekommen sind, in dem Jahr waren zudem 133 Geburten gezählt worden.

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Diese Familien gezielt anzusprechen könnte Teil eines besonderen „Kümmerns“ sein, die auf südwestfälischer Ebene angedacht und auch im Kreis Siegen-Wittgenstein ausprobiert werden soll. Hierzu referierte bei der ARGE-Jahreshauptversammlung Sylvia Heinz von der Regionalentwicklung des Kreises Siegen-Wittgenstein. Für den Kreis wird ein Bevölkerungsrückgang von möglicher Weise 25 Tausend Einwohnern bis 2035 prognostiziert. Besser „überleben“ würden Orte, die für Neubürger interessant seien und eine Willkommenskultur anböten.  Sie berichtet von Aktivitäten in verschiedenen Kreisen, die mit „Willkommens-Pakten“ Neubürger oder Familien nach der Geburt eines Kindes besonders ansprechen. „Einerseits könnten die Heimatvereine beim Erstellen eines Dorf-Steckbriefes mitwirken, andererseits sich einzelne Aktive als „Dorfbotschafter“ zur Verfügung stellen“, formulierte Sylvia Heinz die Optionen einer Mitwirkung durch die Heimatvereine. In der Diskussion stieß der Ansatz auf wohlwollende Zustimmung, wobei darauf hingewiesen wurde, bisher oft notwendige Daten nicht bekommen zu haben. Hier stellte Sylvia Heinz klar, dass jeder Kontakt der vorherigen Zustimmung der Betroffenen bedürfe: „Die soll zukünftig bei der Anmeldung beim Einwohnermeldeamt abgefragt werden“. Insofern sei ein enges Zusammenwirken mit der Stadtverwaltung notwendig. Diese will das Thema aktiv aufgreifen und bei der nächsten Ortsvorsteher-Konferenz besprechen.

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Beteiligen wollen sich die Heimatvereine beim „Dorfsteckbrief“ mit den wichtigsten Hinweisen zum Ortsteil, seiner Infrastruktur, einer kurzen Beschreibung der Historie und der festen Termine. Eine solche Info-Zusammenstellung war bereits Thema bei der Kulturentwicklungsplanung, an der Freudenberg als Pilotkommune teilnahm: „Das wird eine wichtige Unterlage für die ‚Dorfbotschafter’“.

 

 

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Ein weiteres Referat der Tagung beschäftigte sich mit der Ehrenamtskarte, die seit fünf Jahren auch in Freudenberg ausgegeben wird. Olaf Smolny, Fachbereichsleiter bei der Stadt, informierte  über die Voraussetzungen, die Karte zu erhalten und über Vergünstigungen, die damit verbunden sind: „Wir wollen damit Menschen ansprechen, die sich überdurchschnittlich im Gemeinwesen engagieren“. Notwendig sind ein wöchentlicher Einsatz im Ehrenamt von 5 Stunden seit mindestens drei Jahren. Die Heimatvereine hätten dabei ‚Nachholbedarf’, so Smolny. Denn nur drei der bisher 102 in Freudenberg ausgegebenen Karten betreffen die Heimatpflege.